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Herzlichen Glückwunsch „Homepage“ zum 25. Geburtstag! Wo stehen wir heute?

2. Dezember 2015

aIm November 1990, also vor 25 Jahren, ging die erste Homepage in Cern in der Schweiz, durch den Begründer des World Wide Web Tim Berners-Lee initiiert (http://info.cern.ch/), online. Seither verändert der digitale Strukturwandel für uns alle spürbar unseren Alltag und wir passen unser Verhalten in allen Lebensbereichen permanent an.

Die Durchdringung internet- und somit datengetriebener Technologien, algorithmenbasierter Analysemethoden und virtueller Infrastrukturen ist atemberaubend. Sie macht vor keinem Haushalt, keinem Land, keiner Branche, keinem Wertschöpfungsnetz und keinem Geschäftsmodell Halt. Der digitale Strukturwandel verlangt von uns ein Umdenken, das über den rein technologischen Transformationsprozess hinausgeht. Es bleibt allerdings die Frage, ob wir mit diesen sich nach wie vor beschleunigenden digitalen Entwicklungen auch Schritt halten können?

Mit dem Internet traten jede Menge neuer Begrifflichkeiten in unseren Sprachwortschatz ein – Tendenz steigend. Wenn es jetzt darum geht, diese zum Teil jungen Begriffe mit den eigenen Worten zu erläutern haben viele von uns Probleme, obwohl wir Begriffe wie Cloud, Big Data, Internet der Dinge, selbstlernende Algorithmen oder Industrie 4.0 täglich, beinahe schon inflationär verwenden –  insbesondere sämtliche On- und Offlinemedien.

Leider können laut einer Umfrage von der Initiative D21 zusammen mit TNS Infratest beispielsweise lediglich 8% der deutschen Bevölkerung den Begriff „Big Data“ erläutern; 12% sind es etwa bei dem Begriff „Share Economy“, der durch das Aufkommen von Peer-to-Peer Mechanismen zunehmend kontrovers diskutiert wird. Besser sieht es hingegen bei den Begriffen „Internetseite“ (78%) und „Soziale Netzwerke“ (72%) aus. Allerdings fällt hier auf, dass die englischen Begriffe von einem kleineren Anteil der deutschen Bevölkerung erläutert werden können als die deutschen (Homepage und Social Media). Obwohl sowohl die Begriffe als auch viele der Technologien täglich von Millionen Bürgern aktiv verwendet und benutzt werden, gelingt es nur wenigen, die Begriffe inhaltlich mit Leben zu füllen. Wie soll uns als Volkswirtschaft der Übergang in die digitale Ära gelingen, wenn wir bereits bei der Begriffserklärung scheitern?

Wir brauchen daher dringend bundesweite Bildungsoffensiven. Bildungsoffensiven mit dem Ziel junge Menschen mit ausreichend Internet- und Medienkompetenzen auszustatten. Schon in frühen Stadien der Bildung sollten Kinder bzw. Jungendliche beispielsweise lernen,

  • welche Auswirkungen es hat, wenn personenbezogene Daten auf unterschiedlichen sozialen Netzwerkplattformen eingegeben werden,
  • was mit den Begriffen Hacking, Netzneutralität oder Vorratsdatenspeicherung gemeint ist,
  • welchen Schutz kryptographische Verschlüsselungstechnologien bieten können,
  • welche Funktionsweise hinter einem selbstlernenden Algorithmus steckt oder
  • welche Bedeutung Schutzrechte (Urheberrecht, Patente) im digitalen Zeitalter haben.

Damit die Digitalisierung nicht in einem Wust von Modewörtern verblasst, sondern auch in der Masse im Alltag nutzenstiftend eingesetzt und verstanden werden kann, sollten wir jetzt diese bildungspolitischen Maßnahmen umsetzen. Nur so können wir unseren (künftigen) Lebens- und Arbeitsbereichen mit einem aufgeklärten Verständnis hinsichtlich digitaler Technologien, deren Funktionsweisen, Chancen und Risiken entgegensehen. Ausgestattet mit ausreichend digitalen Fähig- und Fertigkeiten können wir zu einer modernen Volkswirtschaft heranwachsen mit aufgeklärten, digitalkompetenten, wettbewerbsfähigen und vor allem datenbewussten Bürgern.

 

 

 

 
 
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