Deutsche Bank Research
Digitale Ökosysteme bescheren uns "Smart Everything"
Daten werden zunehmend zu einem wichtigen volkswirtschaftlichen Produktionsfaktor. Gerade die Nutzung personenbezogener Daten hat einen ökonomischen Wert und weckt bei vielen Akteuren aus Wirtschaft, Wissenschaft und Politik Begehrlichkeiten mit unterschiedlichem Fokus. Primär nähren die Daten bei Vielen die Hoffnung auf steigende Umsätze, aber auch eine bessere Datengrundlage für Prognosen oder die professionelle Erstellung umfassender Profile der Menschen können Treiber sein. Prinzipiell geht es darum, unterschiedliche Datenmengen mit neuen Datensätzen zu kombinieren, eventuelle Muster in diesen kumulierten Daten mit intelligenten Softwareprogrammen aufzuspüren, um anschließend die richtigen (möglichst lukrativen) Schlüsse aus den Ergebnissen zu ziehen. All das wird unter dem Begriff „Big Data“ diskutiert. Einmal erhobene Primärdatensätze können zu unterschiedlichen Zwecken und für unterschiedliche Akteure zweit-, dritt- oder x-fach ausgewertet werden. Dadurch erweisen sich die Daten einerseits als Quelle für Innovation, Kreativität sowie „Out-of-the-box-Denken“ und münden idealerweise in neue Geschäftsideen, Prozesse, Produkte oder Dienstleistungen. Andererseits können und werden sie vielen Menschen aber auch Sorgen und Ängste bereiten, weil die eigene Datenhoheit, also die informationelle Selbstbestimmung, schnell verloren gehen kann.

Aus innovations-und wirtschaftspolitischer Sicht kann mit Besorgnis beobachtet werden, mit welcher Ohnmacht viele Entscheidungsträger, aber auch viele Internetnutzer in Wirtschaft, Politik, Wissenschaft und Gesellschaft, zusehen, wie sich das Internet allmählich in eine Spielwiese von nur noch wenigen Akteuren wandelt. Wenige Akteure dominieren den Markt, umzäunen ihre schönen und viel genutzten Gärten und bestimmen für große Teile der Internetnutzer den Innovations- bzw. Technologiekurs. Eine zu Beginn des Internetzeitalters von Vielen erwartete oder gar erhoffte Konsumenten- bzw. Bürgersouveränität im Netz sieht wahrlich anders aus. Die Diskussion wird zusätzlich angeheizt durch die seit Sommer 2013 veröffentlichten Snowden-Dokumente zur Datensammelpraxis vieler Geheimdienste.

 

Grafik: Oliver Ullmann. Deutsche Bank Research.
Quelle: Dapp, T. (2014). Big Data – die ungezähmte Macht. Deutsche Bank Research. Frankfurt am Main.

 

 

Bei all den Wachstumschancen, die das Internet mit sich bringt, werden damit einhergehende Risiken und Probleme vor allem bezüglich des Datenschutzes und potenziellen Datenmissbrauchs gerne ausgeblendet. Insbesondere in die neuen, hochgehandelten Algorithmen zur Reduzierung von Komplexitäten oder zur Erstellung von Berechenbarkeitsanalysen werden hohe Erwartungen gesteckt. Die Realität zeigt jedoch, dass Fragen hinsichtlich dahinterliegender Interessen, Machtverhältnisse, ethische und moralische Gesichtspunkte, Kontrolle, Rechte und Pflichten oftmals nur eine untergeordnete Rolle spielen.

 

Mit den notwendigen (idealerweise international geltenden) Rahmenbedingungen soll eine Balance geschaffen werden, welche die Chancen der Entwicklung von Internet-Technologien beflügeln, ohne die Risiken zu stark in den Mittelpunkt zu stellen. Dieser Balanceakt wird kein einfacher sein, sollte aber möglichst zeitnah auf internationaler Ebene gelöst werden. Für viele künftige Probleme und Fragen wird es keine perfekten Lösungen oder endgültigen Antworten geben. Die Herausforderung liegt mitunter darin, einen Weg zu finden, moderne Technologien und Methoden nutzenstiftend in den Alltag der Menschen zu integrieren, ohne dass Freiheitsrechte verletzt werden, Diskriminierungen oder Manipulationen stattfinden oder die Angst der Menschen steigt, sich in virtuellen Räumen zu bewegen. Letzteres wäre aus innovations- und wachstumspolitischer Sicht fatal und würde eine rohstoffarme, dafür wissensintensive Volkswirtschaft wie Deutschland im internationalen Wettbewerb eher wieder ins späte 20. Jahrhundert zurück katapultieren.

 

Thomas F. Dapp (thomas-frank.dapp@db.com, +49 69 910 31752)

 

Zur Studie: Big Data - die ungezähmte Macht

 

 

 

 

 

 

 
 
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