Deutsche Bank Research
Aktuelle Grafik
Exportbranchen entlohnen überdurchschnittlich gut

18. Mai 2017

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Die traditionellen deutschen Exportsektoren zahlen ihren Beschäftigten überdurchschnittlich hohe Löhne und Gehälter. In der Grafik befinden sich im rechten oberen Quadranten jene Industriebranchen, die 2016 einen Außenhandelsüberschuss erwirtschaftet haben und in denen zugleich die durchschnittliche Bruttolohn- und Gehaltssume je Beschäftigtem den Durchschnitt des gesamten Verarbeitenden Gewerbes überstieg. So lag der Außenhandelsüberschuss allein in der Automobilindustrie im Jahr 2016 bei EUR 122 Mrd. (39% des gesamten Überschusses). Die Löhne und Gehälter in dieser Branche übertrafen das mittlere Industrieniveau um 27%. Gemessen am Außenhandelsüberschuss folgt der Maschinenbau auf Platz 2 (2016: EUR 94 Mrd.). Hier liegen die durchschnittlichen Löhne und Gehälter jedoch nur um 7% über dem Mittelwert. Auch für die Chemie- und die Pharmaindustrie sowie den sonstigen Fahrzeugbau sind hohe Außenhandelsüberschüsse und eine überdurchschnittliche Entlohnung charakteristisch. Interessant ist dabei, dass der Zuwachs der Bruttolohn- und Gehaltssumme zwischen 2005 und 2016 in allen genannten Sektoren ebenfalls über dem Durchschnitt der Industrie lag. So nahm die Bruttolohn- und Gehaltssumme pro Beschäftigtem in der Automobilindustrie und im sonstigen Fahrzeugbau im genannten Zeitraum um 38% bzw. 39% zu. Im Verarbeitenden Gewerbe insgesamt war „nur“ ein Anstieg um 28% zu verzeichnen.

aIm rechten oberen Quadranten der Grafik fehlt die Elektrotechnik als weiterer wichtiger Exportsektor in Deutschland. Die beiden Sparten der Elektrotechnik (Datenverarbeitungsgeräte, elektronische und optische Erzeugnisse sowie elektrische Ausrüstungen) exportierten 2016 zusammen nämlich Waren im Wert von EUR 150 Mrd. und rangieren damit in der der Ausfuhrstatistik (also vor Abzug der Importe) auf Rang 3 aller Industriebranchen hinter der Automobilindustrie und dem Maschinenbau. Beide Sparten befinden sich aber im rechten unteren Quadranten. Das bedeutet, sie zahlen ihren Beschäftigten zwar überdurchschnittlich hohe Löhne und Gehälter. Zugleich hat Deutschland 2016 jedoch mehr elektrotechnische Erzeugnisse eingeführt als exportiert, sodass die beiden Sparten jeweils (leichte) Außenhandelsdefizite aufweisen. Dabei stehen auf der Importseite mehr elektrotechnische Konsumgüter zu Buche, auf der Exportseite mehr Investitionsgüter.

Insgesamt sprechen die Daten dafür, dass der häufig kritisierte deutsche Außenhandelsüberschuss vor allem auf der Qualität der exportierten Güter basiert und nicht durch niedrige Löhne und Gehälter „erkauft“ wird. Deutschland hat sich auf technologisch recht anspruchsvolle industrielle Produkte und das Erfüllen individueller Kundenwünsche spezialisiert, während „einfachere“ Erzeugnisse zu einem höheren Anteil importiert werden. Diese Wirtschaftsstruktur ist über Jahrzehnte gewachsen und basiert noch dazu auf den Kaufentscheidungen von Millionen von Kunden im Ausland. Daher greift die Kritik am deutschen Außenhandelsüberschuss auch zu kurz, wenn sie überwiegend die Exporte ins Visier nimmt. Was sollte die Politik unternehmen, um diese Exportstärke zu schwächen – und warum?

In den kommenden Jahren dürfte der deutsche Außenhandelsüberschuss ohnehin strukturell schrumpfen. Dafür sprechen u.a. höhere Investitionen deutscher Industrieunternehmen im Ausland, die die lokale Nachfrage bedienen sollen. Auch die demografische Entwicklung (alternde Bevölkerung, sinkendes Erwerbspersonenpotenzial) ist ein Grund dafür, dass Deutschland perspektivisch weniger fürs Ausland produziert und mehr selbst konsumiert. Dies dürfte aber ein evolutionärer Prozess sein. Wenn es den deutschen Industrieunternehmen weiterhin gelingt, innovative Produkte auf den Markt zu bringen und die Produktionsprozesse fortlaufend effizienter zu gestalten (Stichworte: Industrie 4.0, Digitalisierung der Wertschöpfungskette, Internet der Dinge), dürfte die industrielle Exportbasis in Deutschland auch in den nächsten Jahren stark bleiben. Und die betreffenden Unternehmen dürften auch künftig in der Lage sein, ihren Beschäftigten überdurchschnittlich hohe Löhne und Gehälter zu zahlen.

 

 

 

 

 
 
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